Gesunde Architektur

05.August 2008

Ein bislang kaum untersuchter Einflussfaktor für die menschliche Gesundheit ist die architektonische Gestaltung von Gebäuden und ganzen Wohngebieten. Während zwar inzwischen längst in das Bewusstsein der Immobilienbranche und vor allem der Kunden gedrungen ist, dass belastungsfreie Baumaterialien einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit ausüben; schließlich ist man zu Hause oder am Arbeitsplatz eventuellen Giften über lange Zeit ausgesetzt. Ein ganz anderes Thema ist jedoch die Gestaltung von Häusern. Hier gibt es nun erste Erkenntnisse, die darauf schließen lassen, das die Wechselwirkung zwischen Umgebung und Mensch sehr viel stärker ist, als bislang angenommen. Ein schönes anregendes Umfeld scheint deutlich mehr zu sein als ein Luxus für den, der ihn sich leisten kann.Offensichtlich gibt es hier auch beim Menschen noch aktive Instinkte, die eine beinahe automatische Entscheidung treffen, welches Umfeld uns besser zuträglich ist, vorausgesetzt, man hat überhaupt eine Wahl. So muss wohl niemand lange darüber nachdenken, ob er lieber eine Wiese oder eine Mauer sehen würde, wenn er aus dem Fenster sieht. Wer sich für die Wiese entscheidet, was wohl beinahe jeder machen würde, trifft auch gleich noch eine Entscheidung für seine Gesundheit. Tatsächlich ergaben erste systematische Untersuchungen, dass eine schöne Aussicht Patienten schneller genesen lässt und sie auch weniger Medikamente zum Beispiel gegen Schmerzen benötigen als solche, denen ein solcher Anblick verwehrt ist.

Aus dieser Erkenntnis entwickelt sich nun ein neuer Wissenschaftszweig, die so genannte Architekturpsychologie. Sie beschäftigt sich damit, wie die künstliche Umgebung menschliches Verhalten bestimmt. In Amerika haben die Erkenntnisse inzwischen nicht mehr nur Einfluss auf die Planung von Krankenhäusern, sondern auch auf die von gewerblichen Gebäuden oder kompletten Vierteln.

Das Menschen natürlichen Bedürfnissen folgen, wenn sie eine psychologisch belastende Umgebung verlassen, lässt sich seit der Wiedervereinigung gut in den neuen Bundesländern erkennen. Die Abwanderungswelle hat zuerst die öden Plattenbauten entvölkert und werden nun zurück gebaut, was nichts anderes bedeutet als, sie werden abgerissen.

Die Einzelheiten, warum Menschen die eine Architektur mögen, die andere aber nicht, sind noch nicht endgültig erforscht. Klar ist aber zum Beispiel, das zu große Enge Menschen belastet. So sind dicht an dicht nebeneinander gesetzte Reihenhäuser schon problematisch, da ein Wohlfühlabstand zum Nachbarn fehlt. Baut man sie versetzt voneinander, gewinnt jeder Bewohner ein Stück psychologischen Abstand zu den anderen.

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